Middelhoff, Frederike

Dissertationsthema:
"Literarische Autozoographien – Erzähltes Tier(er)leben aus der Ich-Perspektive in der deutschsprachigen
Literatur (1750-1950)."

Promotionsstipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes (1.3.2015 - 31.3.2017).

Kontaktadresse an der Universität Würzburg:
Universität Würzburg
Institut für deutsche Philologie / Neuere deutsche Literaturgeschichte
Am Hubland
D-97074 Würzburg

E-Mail an Frau Middelhoff

Erstbetreuer: Prof. Dr. Roland Borgards

Zweitbetreuer:

Prof. Dr. Fotis Jannidis

Frau Prof. Dr. Isabel Karremann

Klasse in der Graduiertenschule: „Philosophie, Sprachen, Künste“

Promotion in der Graduiertenschule ab WS 2014/2015.

Abstract:
Manche Tiere mögen Geschichte schreiben. Mit Ausnahme des animal rationale gibt es allerdings keine Spezies, die ihre eigene Lebensgeschichte verfasst. Dennoch liegen uns seit dem 18. Jahrhundert Texte vor, die das Leben u.a. von Pferden, Hunden und Katzen aus der Sicht dieser Tiere erzählen. Das Dissertationsprojekt widmet sich im Rahmen den neueren deutschen Literaturgeschichte der systematischen und historisch-kontextuellen Aufarbeitung dieses Genres, das mit dem Begriff der ‚literarischen Autozoographie‘ umfasst wird. Literarische Autozoographien setzen sich mithilfe verschiedener Beglaubigungsgesten als autobiographische Schriften eines Tier-Individuums in Szene und erzählen die prägenden und erinnerungswürdigen Erlebnisse und Erfahrungen dieses Tieres.

Die Arbeit hat zwei Schwerpunkte. Zum einen geht es darum, die Genealogie des Genres zu rekonstruieren und dabei auf die poetologischen und ästhetischen Prämissen der Texte einzugehen. Es gilt herauszustellen, wie und warum ab Mitte des 18. Jahrhunderts Tiere zu Erzählern und Protagonisten ihrer eigenen Lebensgeschichte werden. Dabei wird besonderes Augenmerk darauf gelegt, inwiefern diese Texte an traditionelle literarische Traditionen (Schelmenroman, Auto/Biographie, Memoiren) anknüpfen bzw. welche dieser Traditionen die Texte reflektieren und für ihre Zwecke modifizieren. Zum anderen wird die Arbeit exemplarische Textanalysen und -interpretationen liefern, die einerseits einen Blick auf die Entwicklung des Genres vom 18. Jahrhundert bis zum Beginn des 'digitalen Zeitalters' erlauben, andererseits den jeweiligen Entstehungskontext der Texte berücksichtigen. Die Gruppierung in Pferde-, Hunde- und Katzenautozoographien ermöglicht nicht nur eine differenzierte Auseinandersetzung mit der Frage, inwiefern die Texte von dem jeweiligen Diskurs getragen wurden, der über die Fähigkeiten und Eigenheiten dieser Arten zum entsprechenden Publikationszeitraum vorherrschte. Es kann somit auch geklärt werden, welche funktionale Rolle die Artzugehörigkeit für das Erzählen im Allgemeinen, für das Erzählen von Lebensgeschichten im Besonderen spielt.