Röttig, Stefan

Dissertationsthema: "Emotion and Will. The psychological foundation of Seneca’s Ethics" („Affekt und Wille – Die handlungspsychologische Fundierung der Ethik bei Seneca")

Promotionsstipendium
der Studienstiftung des Deutschen Volkes, 1. September 2016 bis 30. September 2018.

Lehrauftrag im SS 2016 und WS 2016/2017.

Kontaktadresse an der Universität Würzburg:
Institut für Philosophie
Residenz - Südflügel
97070 Würzburg

E-Mail an Herrn Röttig

Erstbetreuer: Prof. Dr. Jörn Müller

Zweitbetreuer: 

Prof. Dr. Karl Mertens

Prof. Dr. Christian Tornau

Klasse in der Graduiertenschule: „Philosophie, Sprachen, Künste“

Promotion in der Graduiertenschule ab WS 2015/2016.

Abstract:
Englisch:
For a long time the Stoic Seneca (c. 4 BC – AD 65) has not been taken seriously as a philosopher. But in recent years the tide has turned. This is no coincidence: Some aspects of his philosophy still need to be examined more closely. One of them is the psychological foundation of his ethics. I want to claim that Seneca makes the realization of an ethical ideal dependent upon the quality of several intrinsic action components. In the 89th letter of the Epistulae morales ad Lucilium he puts it in a nutshell: Only if an agent judges correctly what things are worth (quanti quidque sit iudicare), conceives a regulated and ordered impulse (impetum ordinatum temperatumque capere) and harmonizes her impulse with her actions (impetum actionemque convenire), she can be consistent with herself and thus reach true happiness.

In the first part of my doctoral thesis I want to take a closer look at Seneca’s reflections on how the several action components work. Then, I will ask how these components in his view can be brought into a permanent harmonic relationship. In both parts I will also focus on Seneca’s concept of will.

Deutsch:
Die philosophiegeschichtliche Forschung schenkt dem jüngeren Seneca in den letzten Jahren wieder vermehrt Aufmerksamkeit, und das zu Recht: Einige Aspekte seiner Ethik sind bisher noch zu wenig beleuchtet worden. Zu ihnen gehört die subkutan vorhandene Handlungspsychologie, die ich aus diesem Grund im Rahmen meiner Dissertation systematisch untersuchen möchte.

Den Ausgangspunkt markiert Senecas Ethikverständnis im 89. Brief der Epistulae morales ad Lucilium. Dort argumentiert er, dass nur derjenige vollends mit sich übereinstimmen könne, der ein richtiges Werturteil fällt (quanti quidque sit iudicare), einen an Ordnung und Maß gebundenen Antrieb entwickelt (impetum ordinatum temperatumque capere) sowie äußere Handlung und Antrieb in Einklang bringt (impetum actionemque convenire). Seneca macht damit in nuce die Verwirklichung eines ethischen Ideals abhängig von der Beschaffenheit verschiedener intrinsischer Handlungskomponenten. Dieses Konzept einer handlungspsychologisch fundierten Ethik wird, wie ich zeigen möchte, nicht nur in den Epistulae morales brennglasartig sichtbar, sondern auch in den Dialogi. Desgleichen enthalten Senecas Tragödien Passagen, die sich in diese Richtung deuten lassen.

Meine These möchte ich in zwei großen Blöcken entwickeln: Ziel des ersten Hauptstückes ist es, Senecas Reflexionen zur Funktionsweise der verschiedenen Handlungsmomente systematisch aufzuarbeiten. Im Zentrum des zweiten Hauptstückes steht dagegen die Frage, wie diese Momente seiner Auffassung nach in ein bleibendes harmonisches Verhältnis gebracht werden können. Darüber hinaus gilt mein Forschungsinteresse Senecas Willensbegriff. Der Wille scheint bei ihm sowohl eine handlungspsychologische als auch eine ethische Funktion zu erfüllen und wird daher in beiden Hauptstücken in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken.