Intern
    Graduiertenschule für die Geisteswissenschaften

    Stolzenberger, Penelope

    Dissertationsthema: "Weibliche Blicke auf die Politik? Das Denken Hannah Arendts und Martha Nussbaums im Dialog mit Aristoteles." (Arbeitstitel)

    Kontaktadresse an der Universität Würzburg:
    Institut für Philosophie
    Residenz - Südflügel
    97070 Würzburg

    E-Mail an Frau Stolzenberger

    Erstbetreuer: Prof. Dr. Jörn Müller

    Zweitbetreuer: 

    Prof. Dr. Karl Mertens

    PD Dr. Michael Becker

    Klasse in der Graduiertenschule:  „Philosophie, Sprachen, Künste“

    Promotion in der Graduiertenschule ab WS 2012/2013.

    Abstract:
    Nur wenigen Frauen in der politischen Philosophie ist es vergönnt, dass ihre Theorien eine breite wissenschaftliche Beachtung finden oder dass sie gar als Klassikerinnen ihres Fachgebietes gelten. Umso erstaunlicher erscheint es, dass gerade zwei dieser Ausnahmeerscheinungen – Hannah Arendt und Martha Nussbaum – sich in ihrem Denken nicht primär auf die neuzeitliche Vertragstheorie oder Immanuel Kant stützen, sondern sich auf antike Motive rückbesinnen. Beide Theoretikerinnen stehen in einem intensiven Dialog mit Aristoteles und re-interpretieren seine Denkfiguren im Kontext moderner politischer und philosophischer Phänomene.

    Dementsprechend gilt mein Forschungsinteresse zwei Fragekomplexen:
    Erstens: Warum gehen gerade weibliche Autorinnen den Weg zurück in die Antike bzw. wie vollziehen sie diesen Schritt konkret? Interessanterweise adaptieren sowohl Nussbaum als auch Arendt nicht nur inhaltliche Motive, sondern auch methodische Vorgehensweisen von Aristoteles. Beide sehen zum Beispiel in der Interpretation antiker Tragödien ein geeignetes Mittel zur menschlichen Selbstinterpretation und wenden diese Methode auch auf zeitgenössische literarische Texte an. Trotz der gemeinsamen antiken Bezugsnorm ist es bemerkenswert, dass Arendt und Nussbaum in der Ausarbeitung ihrer jeweiligen Theoriekonzeption unterschiedliche Richtungen einschlagen. In diesem Kontext wird auch das amorphe Phänomen des „Neoaristotelismus“ beleuchtet. Keineswegs können – wie Jürgen Habermas dies versuchte – neoaristotelische Strömungen generell als Erscheinungsformen des Neokonservativismus angesehen werden. Gerade Nussbaum und Arendt sind Beispiele für das breitgefächerte Spektrum politischer Theorien, welches die Auseinandersetzung mit Aristoteles hervorbringen kann. Zudem ergibt sich ein Spannungsverhältnis aus der Frage nach der Rolle der Weiblichkeit in Bezug auf die Theoriebildung und der Tatsache, dass beide Autorinnen nicht dem feministischen Lager zugerechnet werden können.

    Und zweitens: Inwieweit findet durch die Bezugnahme auf Aristoteles und die Antike ein Perspektivenwechsel innerhalb der politischen Theorie statt bzw. welcher Mehrwert könnte sich hieraus für die politische Gegenwart ergeben? Beide Autorinnen sehen - im Anschluss an Aristoteles – in der geteilten menschlichen Erfahrung die Basis für ihre Theorie. Dementsprechend kommt sowohl der Sprachfähigkeit als auch dem menschlichen Handeln eine Schlüsselrolle im Rahmen politischen Interagierens zu. Grit Straßenberger nennt eine solche Konzeption „Narrative politische Theorie“. Besonders interessant ist hierbei die Untersuchung der Aufwertung des Pluralen im Bereich der Politik – wie dies Nussbaum und Arendt vollziehen – im Gegensatz zur vorherrschenden Betonung des Individualen innerhalb der modernen politischen Theorie. 


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