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Deutsch Intern
    Graduiertenschule für die Geisteswissenschaften

    Link, Pierre-Carl

    Dissertationsthema:
    "Inklusion als Illusion: Labyrinthische Inklusion als Projekt des vulnerablen Subjekts."

    Kontaktadresse an der Universität Würzburg:
    Institut für Sonderpädagogik,
    Pädagogik bei Verhaltensstörungen
    Wittelsbacherplatz 1
    97074 Würzburg

    E-Mail an Herrn Link

    Erstbetreuer: Prof. Dr. Roland Stein

    Zweitbetreuer: 

    PD Dr. Oliver Hechler (Univ. Mainz)

    Prof. Dr. Bernd Ahrbeck (Humboldt-Universität Berlin und Internationle Psychoanalytische Universität Berlin)

    Klasse in der Graduiertenschule: "Bildung und Kultur"

    Promotion in der Graduiertenschule ab SS 2016.

    Abstract:
    Das Promotionsvorhaben möchte der Komplexität des Forschungsfeldes dergestalt gerecht werden, dass einer dichotomen Unterscheidung von „inklusiv“ und „exklusiv“ und einer Emotionalisierung und Ideologisierung des Inklusionsdiskurses durch die Beschreibung von „inkludierender Exklusion“ und „exkludierender Inklusion“ (vgl. Stichweh 2013) als hoch komplexe mehrdimensionale Dynamiken von Ausgrenzungsprozessen entgegengewirkt wird.

    Innerhalb des Forschungsprojektes wird versucht, Inklusion und Exklusion als relationale dynamische Konzepte zu beschreiben, die sich aus der Interaktion zwischen Individuen und Umwelten ergeben. Ausgrenzungsprozesse finden nicht allein bewusst statt, weshalb dabei auch Dynamiken des Unbewussten sind zu bedenken. Inklusion und Exklusion sind zudem relative, graduelle Konzepte, indem es wahrscheinlich ist, dass es weder absolute Inklusion noch Exklusion geben kann und es stets, abhängig von den Gegenständen und Prozessen, die man in den Blick nimmt, um das Verhältnis von Inklusion und Exklusion – in diesem Fall für die Pädagogik bei Verhaltensstörungen (vgl. Stein & Müller 2015) – geht.

    Zentrales Ziel des Promotionsvorhabens ist es, durch eine theoriegeleitete Studie, unter Berücksichtigung empirischer Forschungsergebnisse, unterschiedliche, zum Teil verdeckte unbewusste Bedeutungen des aktuellen Inklusionsdiskurses herauszuarbeiten. Ein transdisziplinärer Zugriff auf den Inklusionsdiskurs findet aus drei Perspektiven statt:

    1. Machtanalytik bzw. Diskursanalytik
    2. Psychoanalytik
    3. Metaethik

    Dabei sollen verschiedene Diskursfelder der Pädagogik bei Verhaltensstörungen wie z.B. Professionalisierung, Übergänge, Behinderungsbegriff, Förderfrage, Dekategorisierungsfrage, Leistungsdimension und Erziehung kritisch untersucht werden.

    Auf der Grundlage der Machtanalyse (Foucault; Bröckling), Psychoanalyse und Metaethik respektive Emotivismus (Ayer; Stevenson) werden mögliche Bedeutungen von Inklusions- und Exklusionsprozessen von Personen mit Verhaltensauffälligkeiten in der Leistungsgesellschaft aufgezeigt. Dabei wird es darum gehen Inklusionspädagogik nicht nur als „Pädagogik der Vielfalt“ (Prengel) zu verstehen, sondern diese gleichzeitig immer auch als machtvolle Kulturtechnik zu definieren.

    Deshalb muss auch auf die nationalsozialistische Vergangenheit Deutschlands – gerade im Hinblick auf mögliche Bedeutungen von Inklusion und Exklusion – reflektiert werden, damit „[d]ie Forderung, dass Ausschwitz nicht noch einmal sei“ (Adorno 1969, 85), auch und gerade für eine inklusive Pädagogik bei Verhaltensstörungen gilt. Besonders zu bedenken ist dabei auch, dass in Deutschland auf Basis dieser Geschichte eine besondere Sensibilität für Ausgrenzungsprozesse besteht.

    Im Sinne Freuds wird Inklusion psychoanalytisch als Illusion beschrieben und mit Überlegungen Winnicotts und Lacans umrahmt.

    Literatur:
    Adorno
    , T. (1969), Erziehung nach Ausschwitz. In: Ders., Erziehung zur Mündigkeit. Frankfurt/M.
    Stein, R. & Müller, T. (2015), Inklusion im Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung. Stuttgart.
    Stichweh, R. (2013), Inklusion und Exklusion in der Weltgesellschaft – am Beispiel der Schule und des Erziehungssystems. Verfügbar unter www.inklusion-online.net/index.php/inklusion-online/article/view/22/22 [12.02.2016].