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Intern
    Graduiertenschule für die Geisteswissenschaften

    Lamberto, Maria-Luisa

    Wir gratulieren herzlich zum bestandenen Rigorosum
    am 10.11.2015.

    Thema der Dissertation:
    "Zeit und Existenz – Das Problem der Deskription und die Frage nach Gott bei Franz Brentano."

    Kontaktadresse an der Universität:
    Institut für Philosophie
    Residenz - Südflügel
    97070 Würzburg
    Telefon (09 31) 31-2778
    Telefax (09 31) 31-2855

    Email an Frau Lamberto

    Erstbetreuer: Prof. em. Dr. Elmar Klinger

    Zweitbetreuer:

    Prof. Dr. Wilhelm Baumgartner

    Prof. Dr. Georg Stenger (Univ. Wien)

    Klasse in der Graduiertenschule: “Altertum, Geschichte und Religion”

    Promotion in der Graduiertenschule seit WS 2007/2008.

    Abstract:
    Wenn von einem Programm der Deskription gesprochen werden soll, muss sich die Deskription als grundlegend für die Gesamtentwicklung von Brentanos Denkens erweisen. Die vorliegende Arbeit stellt sich die Aufgabe zu untersuchen, ob die Deskription in jener umfassenden und facettenreichen Bedeutung, die Brentano ihr in der Psychologie und Philosophie zuweist, auch bei der Erörterung der Gottesfrage tatsächlich als programmatische Haltung fungiert.

    Das Verhältnis Zeit-Existenz kann auf der Grundlage der DP analysiert werden, wobei zwei Begriffe wesentlich sind: Bewusstsein und Seele. Sie sind für Brentano nicht deckungsgleich. Die Gesamtheit der psychischen Akte bzw. jeder einzelne Akt ist Bewusstsein. Dieses Bewusstsein ist etwas Einheitliches, nicht etwas Einfaches: Seine Analyse bringt die Vielfältigkeit seiner Teile und die unterschiedlich gegliederten Verhältnisse dieser Teile zueinander zum Ausdruck. Und es kann nicht ohne die Seele subsistieren.

    Des weiteren gehört eine sich stetig weiter entwickelnde Ontologie zur Deskription. Brentano kehrt das aristotelische Verhältnis Substanz-Akzidenz (interpretiert durch seine Mereologie) um. Die Seele ist die Substanz: Jeder psychische Akt enthält diese Seele und ist ein Akzidens von ihr. Auch wenn alle psychischen Tätigkeiten aufhören würden, bestünde die Seele als letzteinheitliches, individualisierendes Substrat der Person weiter.

    Die Analyse von Teilen des Bewusstseins wird durch die weiterentwickelte Deskription vertieft: Die Vorstellungsmodi und der univoke Begriff von Etwas beseitigen alle Irrealia als Seiende. Die Deskription verlangt in jedem Bereich eine genaue Prüfung der psychischen Kategorien der Erkenntnistheorie: Sie gehören zu unserer Erfahrung, können durch die Sprache präzis ausgedrückt werden und sind keine abstrakten Begriffe. Die Existenz wird durch ein bewusstes und motiviertes Urteil anerkannt: Sie ist in sich kein Begriff, sie benennt nichts. Das Wort Existenz ist ein Synsemantikon: Das Anerkennen der Existenz bzw. eines assertorisch Urteilenden ist im Verwirklichen (oder Verfahren) unserer psychischen Tätigkeiten, d. h. unserer Erkenntnisakte, eingebettet. Die Anerkennung der Existenz kann nur dank ihrer „Wechselwirkung mit der Erfahrung“ erfolgen.

    Das enge Verhältnis Seele-Bewusstsein ist Ausgangspunkt für die Behandlung der Gottesfrage. Diese Frage gehört zur Befindlichkeit des Menschen und drängt auf eine Beantwortung. Die deskriptive Analyse des Bewusstseins lässt diese Befindlichkeit explizit erkennen: Das, was die Deskription zu erreichen vermag, kann und soll auf die Gottesfrage angewandt werden. Durch die deskriptive Entfaltung von Brentanos Gottesbegriff wird gezeigt, ob dies möglich bzw. zielführend ist. Die Zeitlichkeit, der Begriff der Grenze in der Theorie des Kontinuums, das Zusammenfallen von Zeitlichkeit und Dinglichkeit, die deskriptive Lösung der Frage nach „esse“ und „essentia“, das Kontinuum der transzendenten Zeit – all dies sind Elemente einer deskriptiven Metaphysik: Die Verhältnisse und die Wechselseitigkeit zwischen innerer und äußerer Erfahrung und zwischen Zeitlichkeit und Anerkennung der Existenz sind Grundlage dieser deskriptiven Metaphysik und bescheinigen ihr Realität.