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Intern
    Graduiertenschule für die Geisteswissenschaften

    Luh, Marvin

    Dissertationsthema:
    "Verwundbarkeit und Verantwortung: Versuch über eine Ethik der Gewaltlosigkeit nach Emmanuel Levinas und Simone Weil."

    Kontaktadresse an der Universität Würzburg:
    Institut für Philosophie
    Ehrenhof, Südflügel
    Residenzplatz
    97070 Würzburg

    E-Mail an Herrn Luh

    Erstbetreuer: PD Dr. Robert Ziegler

    Zweitbetreuende:

    Prof. Dr. Karl Mertens

    Jun.-Prof. Dr. Michela Summa 

    Klasse in der Graduiertenschule: "Philosophie, Sprachen, Künste"

    Promotion in der Graduiertenschule seit WS 2021/2022.

    Abstract
    Im Angesicht weltweiter Umwelt-, Gesundheits- und Menschenrechtskrisen  wird zunehmend über menschliche Verwundbarkeiten und deren  konstitutive Rolle für eine ethische Begründung von Verantwortung  gesprochen. Auf diese Krisen wird gleichermaßen durch eine Vielzahl  gewaltloser Widerstandsformen, wie in den Black Lives  Matter-Bewegungen, geantwortet. In meiner Arbeit werde ich demfolgend  eine Ethik der Gewaltlosigkeit zu bestimmen versuchen, die aus  menschlichen Verwundbarkeiten eine grundsätzliche Verantwortung für andere ableitet.

    Auf Basis der Werke von Emmanuel Levinas und Simone Weil, die sich  beide intensiv mit der Möglichkeit von Gewaltfreiheit und mit der Verantwortung in der ethischen Beziehung befasst haben, werde ich im  ersten Teil meiner Arbeit zunächst klären, was es heißt, dass wir "vom  Scheitel bis zur Sohle, bis in das Mark [unserer] Knochen,  Verwundbarkeit" sind (Levinas). Anschließend setze ich mich damit  auseinander, wie aus dieser Begegnung mit der eigenen und mit der  Verwundbarkeit anderer Menschen die Verantwortung zu verstehen ist,  die Levinas als "die Menschlichkeit des Menschen" bezeichnet und die  bei Weil in einer "Verpflichtung jedem Menschen gegenüber, nur weil er  ein Mensch ist", kulminiert. Dies führt mich schließlich in den  Themenkomplex der Gewaltfreiheit, deren Möglichkeit von beiden  Philosoph:innen erörtert wird, nicht ohne deren Grenzen zu sehen, weshalb Weil "eine wirksame Gewaltlosigkeit" fordert. Insofern beide  ihre Theorien auch gegen die Gewalt und das Unrechtssystem des  Nationalsozialismus formulierten, entwickeln sie eine Gewaltlosigkeit  trotz der Gewalt, einen gewaltfreien Widerstand, der "das bißchen Menschlichkeit, das die Erde ziert" (Levinas), retten soll.

    Im zweiten Teil der Arbeit werde ich den vorherigen Analysen folgend  die Gewaltlosigkeit phänomenologisch ergründen. Hier schließt sich die  Arbeit aktuellen philosophischen Debatten etwa um Judith Butler an,  die ebenfalls versucht, Menschlichkeit ausgehend von einer geteilten  Verwundbarkeit neu zu denken. Mein Fokus wird auf der Trauer als Form  der Gewaltlosigkeit liegen, da für Weil gerade die Empfindsamkeit in  der Trauer einen jener Momente der Gnade bedeutet, die selbst im  Umfeld omnipräsenter Gewalt Räume der Gewaltlosigkeit zu eröffnen  
    vermögen. Und auch Butler hob früh die "Betrauerbarkeit" als Momentum  im Umgang mit Gewalt hervor. Am Ende meiner Arbeit stehen hoffentlich  ein phänomenologisch klar begründetes Verständnis von Formen der  Gewaltlosigkeit und eine ethische Begründung derselben als  Verantwortung für unsere geteilten Verwundbarkeiten.