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Deutsch Intern
    Graduiertenschule für die Geisteswissenschaften

    Jung, Raphaëlle

    Dissertationsthema:
    " Paratextualität und Übersetzung in der belehrenden Literatur der Frühen Neuzeit: Jehan Drouyns Nef des folz." 

    Kontaktadresse an der Universität Würzburg:
    Lehrstuhl für Französische und Italienische Literaturwissenschaft
    Neuphilologisches Institut/Romanistik
    Philosophiegebäude
    Am Hubland
    97074 Würzburg

    E-Mail an Frau Jung

    Erstbetreuer/in:  Fr. Prof. Dr. Brigitte Burrichter

    Zweitbetreuende: 

    Prof. Dr. Thomas Baier

    Fr. Dr. Anne-Laure Metzger-Rambach (Univ. Bordeaux-Montaigne)

    Klasse in der Graduiertenschule:   "Mittelalter und Frühe Neuzeit"

    Promotion in der Graduiertenschule ab WS 2020/21.

    Abstract:
    Die angestrebte Arbeit hat zum Ziel, die Rolle des Paratexts in der europäischen Rezeption und Tradierung des Narrenschiffs um 1500 zu ermitteln. Hierzu wird eine Untersuchung der Formen und Funktionen des Paratexts in drei seiner Übersetzungen durchgeführt. Paratexte umgeben den eigentlichen Text; sie leiten ihn ein und kommentieren ihn, unterbrechen manchmal auch
    den Textfluss mit Kommentaren, Verweisen oder Illustrationen. Durch die Paratexte wird das veröffentlichte Werk zu einem Text mit mehreren Verfassern, dessen Pluralität die Pluralität, die jeder Übersetzung eigen ist, erweitert. Die Vielfalt der Stimmen, die den Text umgeben (Herausgeber, Mäzene, anonyme Gelehrte), und die Pluralität der „eingenommenen“ Räume zeigen, dass die Paratexte der Ort einer vielfachen Rezeption des Textes sind.

    Die belehrende Literatur hat in der Frühen Neuzeit großes Gewicht, dem eindeutige Forschungslücken gegenüberstehen. In dieser Arbeit soll der hohe Stellenwert der moralischen Literatur in dieser Epoche – die ein Weg der Strukturierung und Vermittlung von Wissen zwischen Gelehrten und Nicht-Gelehrten bildet – erforscht werden. Die Wahl von Übersetzungen gibt dem Korpus eine Kohärenz, die in der zeitgenössischen Rezeption dieser Texte selbst begründet ist: Die Textübersetzung bildet eine Wertschätzung des Ausgangstextes, der für würdig befunden wird, in einer anderen Sprache verbreitet zu werden. Während eine lateinische Übersetzung die Absicht auf eine möglichst weitgehende Verbreitung des Textes zeigt, entspringt die Übersetzung in die Volkssprache dem Wunsch, das Zielpublikum des Textes um die illiterati (die kein Latein lesen können) zu erweitern.

    Das Korpus dieser Arbeit umfasst fünf Drucke, die zwischen 1497 und 1499 erschienen sind und in Latein und Französisch verfasst wurden. Es handelt sich um zwei lateinische und drei französische Übersetzungen des Narrenschiffs von Sebastian Brant, einer Moralsatire in alemannischer Sprache aus dem Jahre 1494. Die Bedeutung und Besonderheit dieser Werke liegt in ihrer unmittelbaren Rezeption auf europäischer Ebene, die sie zu Schlüsseltexten der belehrenden Literatur ihrer Zeit macht und das Narrenschiff zum „ersten Bestseller“ der Frühmoderne gemacht hat.