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Deutsch Intern
    Graduiertenschule für die Geisteswissenschaften

    Petran, Wolfgang

    Dissertationsthema:
    " Erzwungene Zivilisierung. Das sittlich-religiöse Erziehungsprogramm in der Strafvollzugsrefoerm
    im 19. Jahrhundert." 

    Kontaktadresse an der Universität Würzburg:
    Professur für Christliche Sozialethik
    Bibrastraße 14
    97070 Würzburg

    E-Mail an Herrn Petran

    Erstbetreuer/in: Prof. Dr. Michelle Becka

    Zweitbetreuende: 

    Prof. Dr. Dominik Burkard

    Prof. Dr. Roland Stein

    Klasse in der Graduiertenschule:  "Altertum, Geschichte und Religion"

    Promotion in der Graduiertenschule ab WS 2020/21.

    Abstract:
    Gegenstand der Dissertation ist die Rekonstruktion des sittlich-religiösen Erziehungsprogramms, das in der Diskussion um die Strafvollzugsreform in der Zeit zwischen 1790 bis 1850 eine erhebliche Rolle bzgl. der Besserung von Gefangenen und für die Rechtfertigung der Freiheitsstrafe spielte. In der Strafvollzugsgeschichte und der Historischen Kriminalitätsforschung ist dieses Thema bisher auf relativ wenig Aufmerksamkeit gestoßen. In der Praktischen Theologie bzw. der Pastoraltheologie liegen im Rahmen historischer Rückblicke einige Arbeiten zur Gefängnisseelsorge im 19. Jahrhundert vor.

    Die Rekonstruktion erfolgt anhand ausgewählter Schriften von Autoren der Gefängnisreformdebatte. Im Mittelpunkt steht die Auslegung zentraler Begriffen wie Reue, Sühne, Buße, Wiedergeburt sowie ausgewählter Bibelstellen, die für Gefangene als geeignet angesehen wurden.

    Arbeitshypothese der Dissertation ist, dass das Erziehungsprogramm auf eine ’nachholende’ Gewissensbildung und auf eine Affektmodellierung bei männlichen und weiblichen Gefangenen ausgerichtet ist. Es geht dabei auch um die Frage, unter welchen Bedingungen das Pönitentiärsystem als ein pazifizierter Ordnungsraum betrachtet werden kann, der eine moralische Entwicklung von Gefangenen fördert.

    Die Rekonstruktion des Erziehungsmodells und seiner Bestandteile wird in ideen- und sozialgeschichtliche Kontexte eingebettet. Anhand der Kontexte soll gezeigt werden, dass ‚ältere’, spätaufklärerische Vorstellungen (z. B. zur ‚Perfektabilität’ des Menschen) mit zeitgenössischen religiös-geistesgeschichtlichen Strömungen des 19. Jahrhunderts (z. B: Erweckungsbewegung, Philanthropie, Fortschrittsgedanke) sich miteinander zu der ‚Besserungsphilosophie’ verbanden.

    Abschließend soll das sittlich-religiöse Erziehungsprogramm vor den Anforderungen des 19. Jahrhunderts aber auch vor aktuellen Wiedereingliederungsdiskussionen von Strafgefangenen beurteilt werden.