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Intern
    Graduiertenschule für die Geisteswissenschaften

    Nuber, Tanja

    Wir gratulieren herzlich zum bestandenen Rigorosum
    am 29.6.2011.

    Thema der Dissertation: "Das Bild des Weges und verwandte Vorstellungen bei Friedrich Schiller".

    Promotionsstipendium im Rahmen des Förderprogrammes "Chancengleichheit für Frauen in Forschung und Lehre" (1. März 2009 - 28. Februar 2010).

    Kontaktadresse an der Universität Würzburg:
    Lehrstuhl für neuere deutsche Literatur- und Ideengeschichte

    Email an Frau Nuber

    Erstbetreuer: Prof. Dr. Jörg Robert

    Weitere Betreuer:

    Prof. Dr. Roland Borgards

    Prof. Dr. Wolfgang Riedel

    Klasse in der Graduiertenschule: "Philosophie, Sprachen, Künste"

    Promotion in der Graduiertenschule seit WS 2008/2009.

    Abstract:
    Die Bezeichnung empirisch-körperlicher Eindrücke überdauert den generellen Schwund solcher Erfahrungen. Das Wort Weg bezeichnet dabei entweder direkt entsprechende Phänomene der empirischen Wirklichkeit des Menschen oder im übertragenem Sinne Vorstellungen von seiner geistigen bzw. seelischen Natur. Die Bildlichkeit des Weges vermittelt demnach Bereiche, die sich mit physischen Eigenschaften, seelischen und geistigen Kräften des Menschen berühren (vgl. Trier, 1934. S. 179). Eine wechselseitige Beeinflussung dieser Bereiche bewusst zu nutzen heißt, sich mit dem commercium mentis et corporis auseinanderzusetzen. Und mit dieser Thematik beschäftigt sich Schiller nachhaltig (Robert, 2007; Riedel, 1985).

    Meine Dissertation berücksichtigt für die Interpretation der Werke Schillers zwei Aspekte. Erstens die geschichtliche Konstanz der Wegebildlichkeit (Bildspender bzw. source domain, vgl. Westerkamp, 2007) und zweitens deren unterschiedliche Bedeutungen (bildempfangende Bereiche bzw. target domains, vgl. ebd.). Wenn durch Schillers Texte ein Weg evoziert wird, erscheint somit der Gegenstand meiner Dissertation. Das zentrale Wegebild in Schillers Gesamtwerk erscheint zur Eröffnung  des tief greifenden Konfliktes zwischen Vater und Sohn Piccolomini (Schiller, NA VIII, Die Piccolomini I, 4, 463ff.). Dieser Konflikt endet mit einer Selbstfindung von Max (Schiller, NA VIII, Wallensteins Tod II, 7, 1192 ff.).

    Das Bild des Weges und dessen symbolische Spannung zwischen notwendiger und freier Aktion bietet insbesondere für Schillers Werk Ansätze für interessante Überlegungen, denn Extremhaltungen grenzen das Wechselspiel vielfältiger Möglichkeiten ein, erfassen es allerdings nicht in seiner Komplexität. Der interpretatorische Ansatz muss sich bei Schillers Werk auf Triadenspiele einlassen. Die Vermischung religiöser Ideen oder Philosophien zu einem ›Dritten‹ zeigt sich insbesondere anhand der Wegebildlichkeit in Schillers Werk, in welchem religiös-philosophische Teilaspekte auf Absolutheitsanspruch verzichten. Schillers Werk nimmt Teilaspekte bekannter Wegebilder auf und formt sie um. Doch bisher gibt es in der spezifischen Schillerliteratur noch keine Abhandlung, die sich intensiv mit dem Bild des Weges in Schillers Gesamtwerk auseinandersetzt, obgleich Interpreten der Wallenstein-Trilogie die zentralen Wegebilder häufig zitieren.

    „Die Dimensionen der Welt: der Raum, die Zeit und das eigene Ich (...)“ erweisen sich auch für Norbert Neudecker (1972) als „Hauptthemen der Dichtung.“ Seine Ergebnisse lassen sich teilweise mit Blick auf Schillers Werk erweitern. Ernst Trachsler (1979) betrachtet das vielschichtige Phänomen des Weges im mittelhochdeutschen Artusroman. Mit der besonderen Situation des „Homo viator in bivio“ beschäftigt sich Harms (1970) und konzentriert sich auf unterschiedliche Erscheinungen des Y--Zeichens. Das Symbol des Weges im Zusammenhang mit der „Entdeckung des Geistes“berücksichtigt Snell (1955), S. 320--333.

    Umfassend erklärt Galinsky (1968) die Geschichte des Zusammenhanges von Wegbild und Naturbegriff in Europa (naturae cursus) unter spezifischer Berücksichtigung englischer Texte, insbesondere der Dramen Shakespeares. Klaus Weiss (1965) legt das Bild des Weges in T.S. Eliots „Four Quartets“ aus. Einige seiner Grundgedanken zum Bild des Weges lassen sich auf das deutsche Werk Schillers übertragen, mit Ergänzung eben der Aspekte, die gerade in Zeiten religiöser und gesellschaftlicher Umorientierungen greifen. Insbesondere anhand eines Schauspiels, das geschichtliche Ereignisse in der Wechselrede darstellt und sich auf zwischenmenschliche Dissonanzen einlässt, zeigt sich der komplexe Gehalt des Wegebildes.

    Für die Vorgeschichte der Dissertation legt Otfrid Becker (1937) die Grundlagen. Er zeigt die Verwendung des Wegebildes und der Wegmetapher von Homer bis Sophokles auf.