Ruppert, Linda
Dissertationsthema: "Form follows Ethics. Erzählstrategien der Polyvalenz in ethisch-politischen Texten der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur." (Arbeitstitel)
Promotionsstipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes (1.11.2025 – 31.10.2028) plus Förderung im Rahmen des Marianne-Plehn-Programms der Studienstiftung und des Elitenetzwerks Bayern.
Kontaktadresse an der Universität Würzburg:
Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturwissenschaft
und Medien
Am Hubland
97074 Würzburg
Erstbetreuerin: Prof. Dr. Stephanie Catani
Zweitbetreuende:
Prof. Dr. Maximilian Bergengruen
Prof. Dr. Stephanie Waldow (Univ. Augsburg)
Klasse in der Graduiertenschule: "Philosophie, Sprachen, Künste"
Promotion in der Graduiertenschule ab WS 2025/26.
Abstract:
Jüngere Forschungsbeiträge widerlegen die These, die politische Gegenwartsliteratur kommuniziere primär einseitig-moralisierende Botschaften über die Ebene der histoire. Das Dissertationsprojekt widmet sich den literaturwissenschaftlich noch unterbestimmten Erzählstrategien, die über die ästhetische Realisierung ethischer Prinzipien auf Ebene des discours Vieldeutigkeit in diesen Texten ermöglichen (Forschungsthese). Dafür werden interdisziplinäre Überlegungen zum politischen Potential der Literatur sowie zur ethischen Relevanz von Formmerkmalen der Bedeutungsoffenheit zugrunde gelegt. Methodisch operationalisiert die Arbeit in einem iterativen Verfahren Erzählstrategien der Polyvalenz, über die das Korpus deutschsprachiger Gegenwartsromane (2019–2024) analysiert wird. Dabei finden auch solche Strategien Berücksichtigung, die die medial analoge Erzählgrenze ins Digitale überschreiten. Ein digital gestütztes Scalable Reading, das die Befunde systematisiert, ergänzt die klassischen Methoden des Close Reading.
Neben den impliziten Poetologien untersucht die Dissertation die expliziten Entwürfe eines politischen Schreibens in der Gegenwart: Anhand auktorialer Epitexte (Interviews, Poetikvorlesungen u. a.) zeichnet sie nach, wie die Autor:innen auf das hegemoniale Modell der engagierten (Nachkriegs-)Literatur Bezug nehmen. So trägt das Forschungsvorhaben der engen Assoziation von politischem Text und Autorperson und dem bislang kaum berücksichtigten Konnex politischer Schreibweisen in der Gegenwart und der Strukturkategorie gender Rechnung. Die literaturwissenschaftliche Fachgrenze wird dabei in Richtung Ethik, Kunstphilosophie und Digital Humanities überschritten.



