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Graduiertenschule für die Geisteswissenschaften

Yin, Rui

Dissertationsthema: "Typus und Normativität in der vorprädikativen Erfahrung: Husserls Phänomenologie zwischen Konzeptualismus und Nicht-Konzeptualismus."

Kontaktadresse an der Universität Würzburg:
Institut für Philosophie
Ehrenhof, Südflügel
Residenzplatz
97070 Würzburg


E-Mail an Herrn Yin

Erstbetreuerin: Prof. Dr. Michaela Summa

Zweitbetreuende:

Prof. Dr. Matthias Flatscher

Prof. Dr. Andrea Altobrando (Univ. Padua)

Klasse in der Graduiertenschule:  "Philosophie, Sprachen, Künste"

Promotion in der Graduiertenschule ab WS 2026/27.

Abstract:
Zusammenfassung des Dissertationsthemas: Das Dissertationsprojekt fokussiert Edmund Husserls Konzept des Typus und seine Bedeutung für eine Theorie der Normativität in der Wahrnehmung. Im Zentrum steht die Frage, wie Typen und Typisierungen in der vorprädikativen Erfahrung – insbesondere in der schlichten Wahrnehmung – ein Bewusstsein von Regelmäßigkeit, Verlässlichkeit und Angemessenheit ermöglichen. Die Arbeit fragt damit nicht nur, wie Gegenstände in wechselnden Erscheinungen als dieselben erfasst werden, sondern auch, inwiefern Wahrnehmung gelingen, sich bestätigen oder scheitern kann.

Die leitende These lautet: Der Typus ist bei Husserl weder eine bloße empirische Verallgemeinerung noch ein bereits voll ausgebildeter Begriff, sondern eine vorprädikative Ordnungsform, die aus passiver Synthesis, Habitualität und Horizontbildung hervorgeht. Typen strukturieren Wahrnehmungserwartungen, eröffnen Spielräume möglicher Erfüllung und Enttäuschung und profilieren dadurch Normalität. Auf dieser Grundlage lässt sich ein phänomenologisches Verständnis von Wahrnehmungsnormativität entwickeln, das weder auf einen strikten Konzeptualismus noch auf einen normfreien Nicht-Konzeptualismus hinausläuft.

Die Arbeit verfolgt drei Ziele: Erstens soll der Typusbegriff in Husserls genetischer Phänomenologie systematisch präzisiert werden. Zweitens soll seine Funktion für die immanente Normativität der Wahrnehmung herausgearbeitet werden, insbesondere für Normalität, Horizontstruktur und Modalisierung. Drittens soll gezeigt werden, wie sich aus typisierender Erfahrung Begriffe bilden können, ohne dass Wahrnehmung von Anfang an als vollständig begrifflich bestimmt vorausgesetzt werden muss.